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 |  Ralf Lang  |  Branchen-News

Porzellanmanufaktur Kahla/Thüringen

Zum zweiten Mal nach 2020 musste die Porzellanmanufaktur Kahla/Thüringen GmbH Insolvenz anmelden. Eine Fortführung der Geschäfte ist geplant. Foto: Porzellanmanufaktur Kahla/Thüringen (4)

Insolventer Porzelliner arbeitet weiter

GastroSpiegel, 05.03.2026 – Das Amtsgericht Gera hat am 2. März die vorläufige Insolvenzverwaltung über die Porzellanmanufaktur Kahla/Thüringen GmbH angeordnet. Die Zusammenarbeit mit Fachhändlern und Kunden werde in vollem Umfang fortgesetzt.

Die Eröffnung des Insolvenzverfahrens über die Porzellanmanufaktur Kahla/Thüringen soll den rechtlichen Rahmen schaffen, um die finanzielle Struktur des Unternehmens neu zu ordnen und die langfristige Zukunft des Produktionsstandorts zu sichern, heißt es in einer Pressemitteilung der Kanzlei Brinkmann & Partner. Rechtsanwalt Thomas Jacobs, Partner in der bundesweit tätigen Kanzlei, ist zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt worden.

Gespräche laufen

Der Jurist sei mit seinem Team vor Ort und es hätten erste Gespräche mit Geschäftsführer Daniel Jeschonowski und dem Betriebsratsvorsitzenden Stefan Schau stattgefunden, teilt die Kanzlei mit. Außerdem wurden die Mitarbeiter in einer Betriebsversammlung persönlich über das Insolvenzantragsverfahren informiert. „Mein erster Eindruck ist, dass Geschäftsführung und Belegschaft fest hinter der Porzellanmanufaktur Kahla/Thüringen stehen. Das ist wichtig, um die Produktion und Auslieferung im Antragsverfahren wie geplant fortzuführen und einen Plan für die Zukunft zu entwickeln“, teilt Thomas Jacobs mit.

Operativer Geschäftsbetrieb fortgeführt

Über das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit werden die 120 Mitarbeiter abgesichert, eine entsprechende Vorfinanzierung wurde bereits eingeleitet, wie es in der Mitteilung heißt. Für Kunden und Geschäftspartner sei wichtig, dass die Zusammenarbeit in vollem Umfang fortgesetzt werde, betont der Insolvenzverwalter. Produktion, Auftragsbearbeitung und Auslieferung erfolgen demnach regulär – neue Aufträge werden angenommen, bestätigt und ausgeführt.

Der Insolvenzantrag erfolgte vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Verunsicherung in Deutschland: „Die Messe- und Ordersaison ist bislang deutlich schwächer verlaufen als erwartet. Gleichzeitig ist insbesondere im Gastronomiebereich eine spürbare Kaufzurückhaltung zu beobachten“, teilen die Insolvenzverwalter mit. Hinzu kommen laut Mitteilung die Auswirkungen der Schwächephase der deutschen Wirtschaft sowie die erneut stark gestiegenen Energiepreise, die für energieintensive Produktionsunternehmen wie eine Porzellanmanufaktur eine erhebliche Belastung darstellten. Die ohnehin sehr hohen Energiekosten würden wegen des Iran-Krieges weiter ansteigen.

Unternehmerisch auf dem richtigen Weg

Geschäftsführer Daniel Jeschonowski sagt: „In den vergangenen fünf Jahren haben wir als Kahla-Team viel geleistet und ein hervorragendes Markenerlebnis geschaffen. Wir sind unternehmerisch auf dem richtigen Weg, werden aber in Zukunft mehr Wachstum erreichen müssen.“ Vor diesem Hintergrund war der Insolvenzantrag der notwendige Schritt, um das Unternehmen strukturell neu aufzustellen. Der Betriebsratsvorsitzende Stefan Schau erklärt: „Für uns ist klar: Wir wollen, dass Kahla weiter produziert. Die Mannschaft steht zusammen und arbeitet jeden Tag dafür, dass Aufträge rausgehen und Kunden zufrieden sind. Die Insolvenz ist eine schwierige Situation, aber sie gibt auch die Chance, das Unternehmen neu aufzustellen. Wir ziehen als Belegschaft mit und wollen zeigen, dass dieser Standort eine Zukunft hat.“

Umfassend restrukturiert

Seit 2020 wurde das Unternehmen umfassend restrukturiert. Prozesse wurden vereinfacht, neue Produkte entwickelt und neue Kunden gewonnen. „Die Marke Kahla verfügt über eine gute Position im Markt. Auch der Ausbau des Onlinegeschäfts hat in den vergangenen Jahren zu einer deutlichen Stärkung der Vertriebsbasis beigetragen“, teilt die Kanzlei mit.

„Made in Germany“ erleben

Ein sichtbares Zeichen dafür, dass die Porzellanmanufaktur Kahla/Thüringen trotz der Insolvenz aktiv an der Fortführung und Weiterentwicklung des Geschäfts arbeitet, ist der geplante Porzellanmarkt am Standort Kahla, der vom 7. bis 12. April stattfindet. Hierzu sind Besucher, Kunden und Partner eingeladen und können hautnah erleben und anfassen, was Kahla als industriellen Produktionsstandort für hochwertiges Porzellan „Made in Germany“ ausmacht, blicken die Insolvenzspezialisten der Kanzlei voraus.

Trotz Insolvenz laufen Produktion, Auftragsbearbeitung und Auslieferung regulär weiter – neue Aufträge werden angenommen, bestätigt und ausgeführt.
Der Porzellanhersteller Kahla/Thüringen ist bekannt durch eine Vielzahl besonderer Designs – viele Serien erfreuen sich auch international großer Beliebtheit.
Kahla-Geschäftsführer Daniel Jeschonowski sagt zur weiteren Unternehmensentwicklung: „Wir sind unternehmerisch auf dem richtigen Weg, werden aber in Zukunft mehr Wachstum erreichen müssen.“