Getränke-Charts 2025

Kaffee bleibt Spitzenreiter, Premium-Drinks holen auf
Die Getränkekarte der Gastronomie verändert sich – allerdings weniger durch einen radikalen Bruch als durch eine schrittweise Erweiterung des Angebots. Kaffee, Bier und Wasser gehören auch 2025 zu den wichtigsten Getränken in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Gleichzeitig wächst die Bereitschaft der Gäste, neue Geschmacksrichtungen und höherpreisige Spezialitäten auszuprobieren. Das zeigen die aktuellen Getränke-Charts von Orderbird, die auf anonymisierten Kassendaten von insgesamt 15.909 gastronomischen Betrieben basieren.
Für die professionelle Gastronomie ist diese Entwicklung vor allem deshalb relevant, weil sich mit dem veränderten Konsum auch Anforderungen an Produktqualität, Zubereitung und Angebotstiefe verschieben. Neben den etablierten Getränkekategorien gewinnen Spezialitäten an Bedeutung, die sich über Rezeptur, Präsentation und Preis stärker differenzieren lassen.
Kaffee bleibt die wichtigste Getränkekategorie
In Deutschland entfielen 2025 insgesamt 27 Prozent der Getränkebestellungen auf Kaffee. Damit legte die Kategorie gegenüber 2023 um vier Prozent zu und bleibt mit deutlichem Abstand die Nummer eins. Noch ausgeprägter ist die Bedeutung des Kaffees in der Schweiz: Dort machte er 52,7 Prozent der Standardgetränke aus.
Innerhalb des Kaffeesegments zeigt sich allerdings eine zunehmende Differenzierung. Der Espresso steht mit 56 Prozent weiterhin für mehr als die Hälfte der Kaffee-Bestellungen. Parallel dazu hat sich der Matcha-Latte als relevante Alternative etabliert. Mit 21 Prozent der Bestellungen innerhalb des Kaffeesegments erreicht der ursprünglich aus der Teekultur stammende Drink einen bemerkenswerten Anteil.
Matcha ist mehr als Lifestyle-Trend
Für die Gastronomie ist Matcha damit längst mehr als ein kurzfristiger Lifestyle-Trend. Mit einem durchschnittlichen Verkaufspreis von 6,06 Euro ist der Matcha-Latte zugleich das teuerste der im Ranking betrachteten Heißgetränke. Gegenüber klassischen Kaffeeprodukten eröffnet er damit zusätzliches Potenzial für margenstarke Spezialitäten. Varianten wie Mango-Matcha, Erdbeer-Matcha oder Kombinationen mit weißer Schokolade erweitern das Konzept um zusätzliche Geschmacksprofile und sprechen eine Zielgruppe an, für die Produktinszenierung und Individualisierung eine wichtige Rolle spielen.
Auch im Teesegment ist die Nachfrage nach Varianten mit eigenständigem Profil erkennbar. Ingwertee kommt auf 32 Prozent der Bestellungen, Pfefferminztee auf 17 Prozent und grüner Tee auf zehn Prozent. Matcha-Tee erreicht bereits zwölf Prozent. Klassische Sorten wie Schwarztee mit acht Prozent oder Darjeeling mit vier Prozent liegen dagegen deutlich niedriger.
Bier bleibt stabil – besonders in Österreich
Trotz der zunehmenden Premiumisierung bleibt Bier ein fester Bestandteil des gastronomischen Getränkeangebots. In Deutschland entfielen 23 Prozent der Getränkebestellungen auf Bier, 1,5 Prozent mehr als im Vorjahr. In Österreich liegt der Anteil mit 28,4 Prozent noch höher. Damit ist dort fast jeder dritte bestellte Drink ein Bier. Der Vergleich zeigt zugleich, dass sich nationale Trinkgewohnheiten weiterhin deutlich unterscheiden. Während in der Schweiz Kaffee mit mehr als der Hälfte der Standardgetränke dominiert, liegen in Deutschland Kaffee und Bier relativ dicht beieinander. Österreich bleibt dagegen besonders stark vom Bier geprägt.
Für Betreiber bedeutet dies: Trotz neuer Trends verlieren etablierte Produktgruppen nicht automatisch an Relevanz. Vielmehr verschiebt sich das Verhältnis zwischen Basisangebot und Spezialitäten. Eine moderne Getränkekarte muss deshalb nicht zwangsläufig weniger Klassiker enthalten – sie muss diese vielmehr um attraktive Alternativen ergänzen.
Premiumisierung zeigt sich auch beim Preis
Die steigende Nachfrage nach Spezialitäten spiegelt sich in der Preisentwicklung wider. Während sich klassische Produkte moderat verteuern, fallen die Anpassungen bei ausgewählten Premiumgetränken stärker aus. Für Bier und Wasser werden jeweils vier Prozent höhere Preise ausgewiesen. Beim Matcha-Latte beträgt die Preissteigerung dagegen 15 Prozent, beim Cappuccino 16 Prozent und bei Schorle zehn Prozent. Das bedeutet, dass Gäste bereit sind, für Qualität und ein besonderes Produkterlebnis mehr zu bezahlen. Gerade Getränke mit höherem handwerklichem oder inszenatorischem Anteil bieten der Gastronomie die Möglichkeit, sich über Zubereitung, Zutaten und Präsentation vom Standardangebot abzuheben.
Für Fachhändler und Planer ist dies ein wichtiger Ansatzpunkt: Die Entwicklung betrifft nicht nur die Auswahl der Produkte, sondern auch die technische Infrastruktur dahinter. Hochwertige Kaffeespezialitäten, Matcha-Varianten oder individuell zubereitete Drinks stellen Anforderungen an Arbeitsabläufe, Geräte, Schulung und Platzierung. Wo das Angebot komplexer wird, gewinnt eine effiziente und reproduzierbare Zubereitung an Bedeutung.
Regionale Unterschiede beim Preis
Wie unterschiedlich die Gastronomie ihre Getränke kalkuliert, zeigt der Blick auf die deutschen Bundesländer. Hamburg, Hessen und Berlin gehören über mehrere Kategorien hinweg zu den höherpreisigen Märkten. Auch bei Kaffee- und Teespezialitäten liegt die Hansestadt im oberen Bereich. Am anderen Ende des Spektrums steht unter anderem das Saarland. Dort kostet ein Cappuccino durchschnittlich 3,38 Euro, ein Chai-Latte 4,00 Euro.
Die regionalen Unterschiede machen deutlich, dass sich erfolgreiche Getränkekonzepte nicht allein über bundesweite Trends erklären lassen. Kaufkraft, Wettbewerb, Zielgruppen und lokale Gastronomiekultur beeinflussen sowohl Sortiment als auch Preisniveau. Für Planer und Fachhändler bedeutet das, Konzepte stärker an den jeweiligen Standort anzupassen.
Was die Entwicklung für die Branche bedeutet
Die Orderbird-Daten deuten insgesamt weniger auf eine Ablösung der Klassiker als auf eine zunehmende Spreizung des Angebots hin. Das Basissortiment bleibt wichtig, während zusätzliche Premium- und Trendprodukte neue Umsatzpotenziale eröffnen. Für Betreiber wird es entscheidend sein, die Balance zwischen bewährten Bestsellern und innovativen Angeboten zu finden.
Gerade für den Fachhandel und Planung ergeben sich daraus Anknüpfungspunkte über das einzelne Produkt hinaus. Wenn mehr Gäste hochwertige Kaffee- und Spezialgetränke nachfragen, steigen die Anforderungen an professionelle Maschinen, Mühlen, Kühl- und Zubereitungstechnik sowie an effiziente Prozesse. Dabei stellt sich jedoch die Frage, welche Trends langfristig tragfähig sind und welche Produkte tatsächlich einen Mehrwert für den Betrieb schaffen.
Der Ausblick auf 2026 fällt deshalb weniger revolutionär als evolutionär aus: Kaffee, Bier und Wasser werden die Getränkekarten voraussichtlich weiter prägen. Gleichzeitig dürfte die Nachfrage nach individuellen Rezepturen, Premium-Zutaten und aufmerksamkeitsstarken Spezialitäten weiterwachsen. Wer sein Angebot flexibel gestalten kann, ohne die operativen Abläufe aus dem Blick zu verlieren, kann von dieser Entwicklung profitieren.
Datengrundlage
Für die Auswertung wurden anonymisierte Daten aus dem Jahr 2025 von 14.641 gastronomischen Betrieben in Deutschland, 683 Betrieben in Österreich und 585 Betrieben in der Schweiz analysiert, die Kassensysteme von Orderbird nutzen. Die Prozentangaben wurden auf eine Nachkommastelle gerundet.








