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 |  Julia Auclair  |  Branchen-News

DIHK-Report 2025 / Cuisyn

Investoren wie das Unternehmen Cuisiy übernehmen Gastronomiebetriebe und sorgen damit für deren Erhalt – beispielsweise durch Investitionen in die Digitalisierung. Foto: Cuisyn

Unternehmensnachfolge wird zur Zukunftsfrage für die Gastronomie

31.08.2026 – Wie sichert die Gastronomie ihre Zukunft? Immer mehr Gastro-Betriebe schließen laut DIHK-Report, weil die Besitzer keine Nachfolge finden. Als Alternative setzen Investoren auf neue Konzepte, um die Zukunft der Branche langfristig zu sichern.

Wenn Gaststätten, Kneipen, Restaurants oder Cafés ihre Türen dauerhaft schließen, liegen die Gründe dafür längst nicht immer in wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Betriebs. Immer häufiger scheitert die Weiterführung erfolgreicher Gastronomien vielmehr an fehlenden Nachfolgelösungen, wie der noch immer aktuelle Report der Deutschen Industrie- und Handelskammern (DIHK) vergangenes Jahr deutlich machte. So gebe es auf drei bis vier geplante Hotel – und Gastronomieschließungen lediglich ein Unternehmen, das eine Betriebsübernahme in Erwägung zieht.

Gründe für die Gastronomieschließungen

Der Report, dem IHK-Beratungen mit rund 50.000 Unternehmen aus allen Branchen des Mittelstands zugrunde liegen, zeigt auch die vielfältigen Gründe für die Schließungen auf: Dazu zähle als zentrale Ursache „die nach wie vor verfestigte Wirtschaftskrise“ mit fehlenden Gästen einerseits und hohen Kosten beispielsweise für Energie und Lebensmittel andererseits. Hinzu komme generell in Betrieben des Mittelstands eine „erhebliche Verunsicherung über das geschäftliche Umfeld“, ergänzt der Report. So sehen laut DIHK-Konjunkturumfrage im Frühjahr 2025 die meisten Unternehmen die durch die Politik gesetzten wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen als größtes Geschäftsrisiko.

Die Suche nach Unternehmensnachfolgern speziell für die Gastronomie wird neben den Auswirkungen der aktuellen wirtschaftspolitischen Situation zudem durch weitere Herausforderung erschwert. So leide die personalintensive Branche besonders unter dem allgemeinen Fachkräfte- und Personalmangel, der durch den demografischen Wandel in den kommenden Jahren erwartungsgemäß steigen werde. Investitionsstaus, wachsende Bürokratieanforderungen und staatliche Auflagen setzen Gastronomen zusätzlich unter Druck. Gleichzeitig vermeldet die Branche sinkende Gästezahlen sowie eine spürbare Kaufzurückhaltung. Infolgedessen reichen die Gewinnmargen „häufig nicht aus, um Investitionsstaus aufzulösen“, fasst der Report zusammen.

Mit Digitalisierung die Betriebe entlasten und Individualität sichern

Das Frankfurter Investmentunternehmen Cuisyn sieht Investitionen in einzelne Gastronomiebetriebe als Chance, um die Zukunft der Gastronomielandschaft inmitten dieser Herausforderung langfristig zu sichern. Dabei setzt die Investmentgruppe beispielsweise auf die Digitalisierung interner Prozesse. Ihr Ziel: Einzigartige Gastro-Betriebe zu erwerben und in einer nach eigenen Angaben „nachhaltig erfolgreichen Gastronomiegruppe“ mit ihrem individuellen Charakter fortzuführen, um „die Vielfalt der Gastronomie zu erhalten“. Verwaltungsaufgaben, Personalplanung, Warenwirtschaft und Controlling werden mithilfe digitaler Tools zentral gesteuert, um die einzelnen Betriebe organisatorisch zu entlasten. Gleichzeitig bleibe der Charakter der Restaurants bewusst erhalten und Gastfreundschaft, individuelle Konzepte und der persönliche Kontakt zu den Gästen bildeten weiterhin den Mittelpunkt, betont das Unternehmen.

„Gerade in einer Branche, in der qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter knapp sind, muss Technologie dort unterstützen, wo sie echten Mehrwert schafft“, ist Rigbert Fischer, Geschäftsführer von Cuisyn, überzeugt. Er erläutert: „Wir nutzen Digitalisierung deshalb vor allem in administrativen Prozessen, bei der Planung und in der Steuerung. So gewinnen unsere Teams mehr Zeit für das, was gute Gastronomie ausmacht: den persönlichen Kontakt zu den Gästen.“

Politische Maßnahmen für mittelständische Unternehmen gefordert

Neben der Investition in die Digitalisierung braucht es dem DIHK-Report zufolge für wettbewerbsfähige Mittelstandbetriebe aber auch Unterstützung durch politische Weichenstellungen. Erforderlich seien Maßnahmen zum wirksamen Bürokratieabbau, Entlastungen bei Energiekosten und Steuern sowie eine stärkere Verankerung von Wirtschaftswissen und Unternehmertum in den Schulen, um mehr jüngere Menschen für den Beruf „Unternehmer/in“ zu interessieren und sie damit auch an die Option der Unternehmensnachfolge heranzuführen.

Konkret auf die Gastronomie bezogen machen die Analysen basierend auf der IHK-Beratungen von Gastronomen deutlich: Es braucht nicht nur eine Vereinfachung beim Prozess der Unternehmensübertragung an einen Nachfolger. Vielmehr sehen sich Gastronomienachfolge im Anschluss an die Übernahme mit einer Vielzahl an Regularien konfrontiert, die mit teils erheblichen Kosten verbunden seien. Dazu zählen beispielsweise Auflagen wie Einholung der Gaststättenerlaubnis, Nachweis der Nutzungsfähigkeit der Betriebsräumlichkeiten oder Brandschutzauflagen. Aber auch die Erfüllung von Anforderungen zur Barrierefreiheit, des Gebäudeenergiegesetzes, strenger Hygieneanforderungen, Lärmschutzauflagen oder Denkmalschutz.

Betriebsnachfolgen sorgfältig planen

Damit die Übergabe des Gastro-Betriebs an einen Nachfolger gelingt, empfehlen die IHKs, sich bereits drei bis zehn Jahre vor der geplanten Übergabe mit der Umsetzung auseinanderzusetzen. Das Unternehmen sollte auf den Prüfstand gestellt werden und unter anderem Angebot, Margen, Produktionsstand sowie Investitionen auf ihre Zukunftstauglichkeit untersucht werden. Mindestens drei Jahre sollte für die Suche nach einem Unternehmensnachfolger und zwölf Monate für den Prozess der Übergabe eingeplant werden. Nach Übergabe des Unternehmens müsse das Spannungsfeld der Interessen von Inhaber, Familie, Nachfolger und Unternehmen gelöst sein, lautet die Empfehlung des DIHK-Reports.

Im Bereich Hotellerie/Gastgewerbe/Tourismus suchten im Jahr 2024 insgesamt 17 Prozent der Unternehmen einen Nachfolger. Demgegenüber standen jedoch lediglich zwölf Prozent an Unternehmen, die an einer Übernahme Interesse zeigten. Quelle: DIHK-Report Unternehmensnachfolge 2025 – Blick in die Branchen / Grafik: GastroSpiegel