GV-Profi
„Wir sind auch in Zukunft sehr gut aufgestellt“
Herr Lüdemann, blicken wir zuerst auf die letzten Jahre: Wie hat sich der Einkaufsverbund GV-Profi in den vergangenen Jahren wirtschaftlich entwickelt?
Lüdemann: Wir haben uns auf nur wenige meist deutsche Lieferanten festgelegt, mit denen wir sehr vertrauensvoll zusammenarbeiten. Diese Entwicklung war sehr positiv. Auch durch die Aufnahme weniger neuer Mitglieder konnten wir weitere Erfolge erzielen und die Auszahlung des Bonus in den letzten fünf Jahren verdoppeln. Wir fokussieren uns als Gruppe zu 90 Prozent auf den Einkauf.
Wie ist insbesondere das vergangene Jahr 2024 wirtschaftlich verlaufen?
Lüdemann: Auch 2024 war für uns ein sehr gutes Jahr. Obwohl wir keine neuen Mitglieder aufgenommen haben, konnten wir fast 20 Prozent mehr Bonus ausschütten.
Welche Sortimente stehen bei der Entwicklung besonders im Fokus?
Lüdemann: Da die meisten unserer Mitgliedsfirmen im Planungsbereich von Großobjekten tätig sind, machen wir unsere Hauptumsätze in den Bereichen Spültechnik, Thermik und Combidämpfer. Aber auch die Umsätze in den Sortimenten Edelstahl und Kältetechnik sowie im Kühlzellenbereich sind ständig gestiegen. Weniger Umsätze tätigen wir im Zubehör- und Kleingerätebereich. Erfreulich ist, dass auch die Umsätze mit Service und Wartung bei unseren Mitgliedern stark gestiegen sind – und dies werden wir noch weiter ausbauen.
Wie bewerten Sie aus Sicht der GV-Profi die aktuelle wirtschaftliche Situation sowohl mit Blick auf die Branche als auch mit Blick auf die Einkaufsgruppe?
Lüdemann: Der Kampf um Aufträge bei Großobjekten ist nicht einfach und wird sicherlich noch schwieriger, da weniger große Projekte in Auftrag gegeben werden. Deshalb ist es wichtig, dass unsere Fachhandelsbetriebe eine gute Planungsabteilung vorhalten und einen guten Service anbieten – und hier sind fast alle Mitglieder sehr gut aufgestellt. Deshalb erwarte ich für 2025 auch wieder eine Steigerung in diesem Geschäftsbereich. Im ersten Quartal konnten wir im Einkauf bei den meisten Lieferanten gute Steigerungen verzeichnen.
„Auch 2024 war für uns ein sehr gutes Jahr. Obwohl wir keine neuen Mitglieder aufgenommen haben, konnten wir fast 20 Prozent mehr Bonus ausschütten.“
Wie hat sich die GV-Profi-Mitgliederstruktur in den vergangenen Jahren entwickelt? Welche Mitglieder sind hinzugekommen und welche haben die Gruppe verlassen?
Lüdemann: 2025 haben wir keine neuen Mitglieder aufgenommen. Im Jahr 2023 sind mit Hase + Co, Korsukewitz, Moderne Küchentechnik und Schaudt Großküchentechnik vier Firmen hinzugekommen, im Jahr 2024 haben wir das Unternehmen Ernst Boettger aufgenommen. Alle Firmen haben sich gut eingelebt und die Gesellschafter passen persönlich – was uns besonders wichtig ist – sehr gut zur Gruppe und zu den anderen Gesellschaftern. Insbesondere hervorzuheben ist dabei, dass alle Gesellschafter zu 100 Prozent hinter der Philosophie der GV-Profi stehen. Getrennt haben wir uns zum 31. Dezember 2024 von zwei Gesellschaftern.
Wie kam es zur Trennung?
Lüdemann: Details kann ich an dieser Stelle nicht nennen. Als Geschäftsführer muss ich aber das umsetzen, was von den Gesellschaftern beschlossen wurde. Das gleiche gilt auch für die betroffenen Gesellschafter. Hier haben wir mit den Firmen eine gütliche Einigung gefunden und die Trennung einvernehmlich umgesetzt. Wir freuen uns, dass wir eine Lösung gefunden und durchgeführt haben, die von allen Gesellschaftern einstimmig beschlossen wurde.
Ist die GV-Profi weiter auf der Suche nach neuen Mitgliedern? Welches Profil müssten die Mitglieder haben?
Lüdemann: Wir suchen momentan keine neuen Mitgliedsfirmen. Sollte ein Fachhändler mit der erforderlichen Größe Interesse haben, unserer Gruppe beizutreten, führen wir selbstverständlich gerne ein Gespräch. Der Händler muss einen gewissen Umsatz vorweisen und über eine eigene Planungs- und Serviceabteilung verfügen. Die Mitgliederfirmen in der Gruppe verfügen momentan über insgesamt zirka 250 Kundendienstmonteure.
Im vergangenen Jahr wurde bekannt, dass die Geschäftsführung und der Vorstand umgebaut wurden. Was hat sich geändert?
Lüdemann: Wir haben im Jahr 2023 einen Arbeitskreis gebildet, der sich zusammen mit der Geschäftsführung Gedanken über die Zukunft der GV-Profi machen sollte. Dabei wurde beispielsweise über den Zusammenschluss mit einer anderen Gruppe nachgedacht, der aber abgelehnt wurde. Außerdem haben wir diskutiert, ob mehrere Gesellschafter die Geschäftsführung übernehmen sollten, was ebenfalls verworfen wurde. Nach Rücksprache mit den Mitgliedern hat die Geschäftsführung dann vorgeschlagen, dass die GV-Profi GmbH nur noch durch einen hauptamtlichen Geschäftsführer geführt werden soll und zusätzlich ein Beirat bestehend aus drei Gesellschaftern gebildet wird. Dies wurde zum 1. April 2024 umgesetzt und seitdem bin ich alleiniger Geschäftsführer. Gleichzeitig werde ich vom Beirat unterstützt und beaufsichtigt.
„Die GV-Profi wird nächstes Jahr 25 Jahre alt und ich war dann 25 Jahre Geschäftsführer. Man muss wissen, wann man aufhört und die Verantwortung übergibt.“
Steffi Vogt von Ihrem Mitgliedsbetrieb Herrmann Rowedder ist also nicht mehr Geschäftsführerin?
Lüdemann: Ja. Nach über sechs Jahren der erfolgreichen Zusammenarbeit mit mir in der Geschäftsführung der GV-Profi ist Steffi Vogt zum 31. März 2024 aus der Geschäftsführung ausgeschieden. Wir haben großartig und vertrauensvoll ohne Probleme zusammengearbeitet. Dafür möchte ich mich – auch im Namen aller Mitglieder – nochmals ganz besonders bei ihr bedanken.
Wird es in Zukunft weitere Veränderungen in der Geschäftsführung geben?
Lüdemann: Wir sind eine vorausschauende Gruppe und planen auch schon die nächsten Schritte. Ein Mitarbeiter einer Mitgliedsfirma hatte sich schon vor drei Jahren für die Nachfolge als Geschäftsführer beworben. Die Mitglieder haben inzwischen beschlossen, dass er zum 1. Januar 2026 anfängt und zum 1. April 2026 die Geschäftsführung übernimmt. Seine aktuelle Tätigkeit wird er bis dahin weiter ausschließlich für die Mitgliedsfirma ausführen. Dies wurde vorher mit dem Gesellschafter der Mitgliedsfirma ausdrücklich so besprochen und wird auch so umgesetzt. Wer der Kandidat ist, geben wir erst später bekannt.
Wie setzt sich der Beitrat zusammen?
Lüdemann: Die Geschäftsführung hat im vergangenen Jahr die Fachhändler Sebastian Friedmann, Matthias Schlembach und Philipp Trentmann als Beirat vorgeschlagen – aber auch alle anderen Gesellschafter konnten sich für den Beirat bewerben. Nachdem alle Gesellschafter dem Vorschlag der Geschäftsführung zustimmten wurde auch der neue Beirat einstimmig gewählt – über dieses Ergebnis freue ich mich sehr. Die Zusammenarbeit zwischen dem Beirat und mir läuft sehr gut. Wir haben schon viele wichtige Entscheidungen – gerade auch zu den vorgenannten Themen wie die Trennung von Mitgliedern und die Bildung der neuen Geschäftsführung – getroffen. Derzeit sind wir dabei, die Satzung nochmals zu ändern und die Gesellschafterart von der Privatperson auf die Mitgliedsfirma zu überführen. Das Stammkapital wird außerdem erhöht.
Auf die kommenden Jahre vorausblickend: Welche Entwicklung erwarten Sie für die Gruppe?
Lüdemann: Persönlich bin ich davon überzeugt, dass die Entwicklung der GV-Profi erfolgreich weitergeht. Und ich bin mir sicher, dass wir auch in der Zukunft durch den Beirat und den neuen Geschäftsführer sehr gut aufgestellt sind. Die Arbeit für die Gruppe wurde in der Vergangenheit immer vielfältiger und deshalb wurde ich vor sieben Jahren von den Gesellschaftern gebeten, hauptamtlicher Geschäftsführer zu werden und mein Planungsbüro aufzugeben. Beide Tätigkeiten zusammen waren damals nicht mehr möglich. Dies war die richtige Entscheidung – und wenn die neue Geschäftsführung und der Beirat die bisher erfolgreiche Arbeit übernehmen und weiterentwickeln, wird die GV-Profi durch die aktuelle Umstellung noch erfolgreicher werden.
Mit dem angekündigten Geschäftsführerwechsel stellt sich auch die Frage, welche Rolle Sie dann in Zukunft in der GV-Profi einnehmen.
Lüdemann: Die GV-Profi wird nächstes Jahr 25 Jahre alt und ich war dann 25 Jahre Geschäftsführer. Man muss wissen, wann man aufhört und die Verantwortung übergibt. Sollte die Gesundheit mitspielen und sollten die Gesellschafter es wünschen, würde ich den neuen Geschäftsführer einarbeiten und danach auch weiter bei jeglichen Fragen zur Verfügung stehen.