Beschwerde über Porzellan-Zölle
GastroSpiegel, 05.01.2026 – Die Firmen ASA Selection, GDC-Deutschland (Depot) und Holst Porzellan haben in einem offenen Brief an den Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga Bundesverband) stellvertretend für viele deutsche Importeure dieser Ware um Mithilfe gebeten, damit diese Maßnahme abgewehrt werden könne. Dafür gebe es nach Einschätzung der Unternehmen gute Gründe.
Die Basis für die Entscheidung ist das Verfahren R831 (siehe Kasten), das sich auf Vorverfahren stützt und dessen Zahlen und Daten nun durch Fristablauf unantastbar sind. „Diese Taktik darf als geschickte ‚Zwickmühle‘ bezeichnet werden“, schreiben die Unterzeichner des Briefes. Gestellt wurde der Antrag zu diesem Verfahren durch den Europäischen Verband der Keramikindustrie „Cerame-Unie“, der nach eigenen Angaben das Unionsinteresse vertritt. Aus den Antragsunterlagen gehe jedoch hervor, dass die Anträge im Wesentlichen von jeweils einem Hersteller aus Tschechien, der Slowakei und Portugal als Beschwerdeführer gestellt wurden, schreiben die Autoren in ihrem Brief.
Nutzen der Schutzzölle
„In der Tat würden gerade diese Länder sowie Polen stark von der Erhöhung eines Antidumpingzolls profitieren“, heißt es in dem Schreiben weiter. Deutschland hingegen würde von der Erhöhung der Schutzzölle um 61 Prozent stark beschädigt. „Wir sind eine exportorientierte Nation und exportieren unsere Produkte nicht nur in die Mitgliedsstaaten, sondern auch in Nicht EU-Länder“, bringen die Beschwerdeführer vor. Sie weisen auch darauf hin, dass sich eine äquivalente Ware in annehmbaren Losgrößen und bezahlbaren Preisen weder in Deutschland noch in Europa beschaffen lasse. „Eine Belastung der Ware mit insgesamt 91 Prozent Einfuhrabgaben wird unseren Export in das außereuropäische Ausland sofort eliminieren. Der Wettbewerb aus England und der Schweiz arbeitet dann zum halben Preis gegen die deutschen Lieferketten“, wird eine Folge der möglichen Entscheidung genannt.
Die Kommission hat ermittelt, dass 63,9 Prozent des gesamten Unionsbedarfs durch die geplante Maßnahme mit 91 Prozent Einfuhrabgaben geschädigt werde, was einer Steigerung von 61 Prozent entspreche. Insgesamt 491.264 Tonnen Porzellan und Keramik haben die Unionsmitgliedsstaaten demnach im Untersuchungszeitraum 2023/2024 verbraucht. 285.513 Tonnen davon kamen aus China. „Werden diese 58 Prozent des Unionsbedarfs schlagartig mit 61 Prozent höheren Zöllen belegt, brechen die betroffenen Märkte sofort zusammen“, schreiben die Unternehmen in dem offenen Brief. Der Kreis der Unionshersteller für Porzellan und Keramik verfügen derzeit noch über zirka 22.000 Beschäftigte. Die Mehrbelastungen für die Unionsverbraucher durch die geplanten Zölle sollen bei 1,3 Milliarden Euro liegen. „In dieser Zahl ist der Verlust von Arbeitsplätzen und Betriebsschließungen im Handel noch nicht enthalten“, heißt es in dem Brief.
Hohe Belastungen
Die von den Beschwerdeführern repräsentierten Bereiche umfassen die Segmente Einzelhandel (Depot), Export (ASA Selection) und den gesamten Außer-Haus-Markt (Holst Porzellan), die bereits ohne die aktuell geplante erneute Steigerung der Schutzzölle von vormals 17,9 Prozent auf bisher 79 Prozent stark belastet waren. Die Auswirkungen einer weiteren Erhöhung auf die Handelsstufen werden so dargestellt: „Unsere Wirtschaft schwächelt und der Konsum leidet an schwindender Kaufkraft der Verbraucher, steigenden Mieten, hohen Personalkosten und dem Druck aus dem Internet. Unserer Handelsstufe nachgelagert sind alle gewerblichen Konsumenten (…) wirtschaftlich am Ende ihrer Möglichkeiten. Besonders betroffen sind die Gastronomie, Kliniken, Krankenhäuser, soziale Einrichtungen, Mensen von Schulen und Universitäten und der Pflege- und Betreuungssektor. Somit auch die Kassen der Länder, Städte und Gemeinden.“
Die sich wehrenden Importeure beschreiben aus ihrer Sicht die Folgen der Zollerhöhung: „Während man in Osteuropa und Portugal in die Hände klatscht gehen hier in Deutschland viele Arbeitsplätze verloren und ganze Versorgungslandschaften müssen umsteigen auf umweltschädliche Plastikgeschirre.“ Deshalb bitten Catrin Schubkegel (ASA Selection), Markus Weber (GDC Deutschland/Depot) und Knud Holst (Holst Porzellan) den Dehoga eindringlich, als Verband auf diese drohende Maßnahme Einfluss zu nehmen und den Verband ebenfalls zu mobilisieren. „Es darf nicht sein, dass derart viele Handelsunternehmen aufgeben müssen, die mit einem eigenen Profil, einem hohen Markenanspruch und einer breiten Versorgungslinie zum Wohle einer Minderheit von Produzenten im Ausland schließen müssen“, fassen die drei Manager zusammen.
rl
Der offene Brief an den Dehoga Bundesverband wurde am 23. Dezember 2025 verfasst und betrifft die Maßnahme EU C/2024/7456 (R831): „Interimsüberprüfung der Antidumpingmaßnahmen betreffend die Einfuhren von Geschirr und anderen Artikeln aus Keramik für den Tisch- oder Küchengebrauch mit Ursprung in der Volksrepublik China“. Unterschrieben wurde der Brief von Catrin Schubkegel (Geschäftsführerin ASA Selection), Markus Weber (Director of Buying bei GDC Deutschland/Depot) und Knud Holst (Geschäftsführer Holst Porzellan).


