Die GN-Fill-Station und die GN-Cover-Station von Rieber bilden den digital geführten Prozessstart im GN-Auto-Mehrwegsystem: Präzises Befüllen dank der Daten aus dem Warenwirtschaftssystem, darauf folgt das automatische und schwappsichere Verdeckeln – ein reproduzierbarer Mehrwegablauf von Anfang an. Foto: Rieber
Mehrweglösungen für GV-Betriebe
GastroSpiegel, 08.01.2026 – Die Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) gilt bereits seit Februar 2025. Nach Ablauf einer Übergangsphase werden ab August 2026 Anbieter von Außer-Haus-Verpflegung europaweit und stufenweise zu Mehrweglösungen, Rücknahme und eindeutiger Behälter-Kennzeichnung verpflichtet. Ab 2027 müssen Betriebe zudem mitgebrachte Mehrwegverpackungen befüllen und ab 2028 eigene Mehrwegbehälter aktiv anbieten – ohne Preisnachteile gegenüber Einweglösungen. Für die Gemeinschaftsverpflegung (GV) bedeutet das einen grundlegenden Systemwechsel: Einweg verliert an Bedeutung und Betreiber benötigen belastbare Mehrwegprozesse.
Hoher Organisationsbedarf
Mit der endgültigen Umsetzung der EU-Verpackungsverordnung entsteht auch für die GV-Branche damit ein erhöhter organisatorischer Bedarf: Die Behälter müssen eindeutig identifizierbar sein, Rücklauf und Sortierung müssen zuverlässig funktionieren und die Hygienevorgaben im Wiedereinsatz erfüllt und nachweisbar sein. Steigende Portionszahlen und zusätzliche Ausgabeorte – unter anderem durch den Ausbau der Ganztagsbetreuung in den Schulen, ebenfalls ab 2026 – erhöhen die Prozesskomplexität.
Da bauliche Erweiterungen in vielen Einrichtungen nicht möglich sind, rückt die Effizienz der bestehenden Küchen- und Logistikstrukturen stärker in den Mittelpunkt. Die Pflicht zur Rücknahme und Wiedereinführung der Mehrwegverpackungen verlangt einen stabilen, standardisierten Ablauf vom Ausgeben bis zur Spülung. Ab 2026 entfällt außerdem mit dem PFAS-Verbot in Lebensmittelkontaktmaterialien eine ganze Klasse beschichteter Einweg- und Alternativverpackungen, was den Umstieg auf spülfähige, langlebige Mehrwegbehälter weiter beschleunigt.
Digitale Mehrwegprozesse
Mögliche Mehrweglösungen gibt es in der Branche bereits. Speziell für die GV baut der Hersteller Rieber sein digital organisiertes GN-Mehrwegsystem aus, das Rücklauf, Identifikation und Wiedereinsatz abbildet und die Speisenlogistik digital und effizient organisiert. Voraussetzung dafür sind die im vergangenen Jahr eingeführten GN-Auto-Behälter aus unbeschichtetem Edelstahl, die alle Anforderungen erfüllen und den Mehrwegeinsatz sichern. „Mehrweg wird für professionelle Küchen zur Pflicht und muss als durchgängiger Prozess funktionieren“, sagt Madlen Maier, Gesellschafterin von Rieber. Sie fügt hinzu: „Unser GN-Auto-System verbindet Abfüllen und Verdeckeln sowie Identifikation, Rücklauf und Wiedereinsatz in einem standardisierten digitalen Ablauf. Betreiber erhalten damit eine verlässliche Grundlage für PPWR-konforme Prozesse und eine stabile Logistik.“
Dabei wurde das digitale GN-Mehrwegsystem lange vor der Entscheidung für die PPWR als prozesssicherer Mehrwegstandard aufgebaut, wie Madlen Maier berichtet. Durch die EU-Vorgaben wird das System nun zu einem Vorteil für Caterer, die ihre Mehrwegprozesse PPWR-konform organisieren müssen. Die Behälter und -Deckel aus langlebigem, lebensmittelechtem und hygienischem Edelstahl sind mit gelaserten QR-Codes nach GS1-Digital-Link gekennzeichnet. Jede Einheit ist somit eindeutig identifizierbar, wodurch die Zuordnung und Dokumentation im Mehrwegprozess zuverlässig abgebildet werden kann. Da GN-Auto vollständig im GN-Standardmaß aufgebaut ist, lässt sich das System ohne Umbauten in bestehende Küchen integrieren.
Reproduzierbare Abfüllung
Zudem ist das System bereits während der Speisenproduktion einsetzbar: Die neue GN-Fill-Station unterstützt die standardisierte Befüllung, indem sie die vorgegebenen Portionsmengen aus dem Warenwirtschaftssystem digital anzeigt und so eine reproduzierbare, mengenrichtige Abfüllung in die GN-Auto-Behälter ermöglicht. Die ebenfalls neue GN-Cover-Station übernimmt anschließend das automatisierte, sichere Verdeckeln – wahlweise mit dem wasserdichten Steckdeckel oder dem Vaculid-Vakuumierdeckel von Rieber für ein Teil- oder Vollvakuum. Beide Systeme reduzieren manuelle Fehlerquellen, sichern die Prozessqualität und schaffen eindeutig definierte Chargen für die Kommissionierung und den weiteren Mehrweg- und Transportablauf.
Für geordnete Behälterströme steht ein passender Stapelwagen bereit. Das konische Design der Behälter ermöglicht sowohl die manuelle als auch die automatisierte Stapelung und Entstapelung direkt auf dem Wagen und reduziert den Platzbedarf um bis zu 75 Prozent. Auf dem mobilen Lager finden rund viermal mehr Behälter Platz als Standard-GN-Behälter. Der Stapelwagen unterstützt somit ein ergonomisches Handling und eine effiziente Küchenlogistik. Der digital vernetzte Thermoport ergänzt das System durch automatische Temperaturerfassung und HACCP-konforme Dokumentation, sodass laut Hersteller die Lebensmittelsicherheit im gesamten Transportweg gewährleistet bleibt.
Auswirkungen auf Ausschreibungen
Da mit der PPWR die Anforderungen an Nachweisbarkeit, Hygiene und Prozesssicherheit steigen, werden öffentliche Auftraggeber Kriterien wie Mehrwegfähigkeit, Rückverfolgbarkeit und belastbare Rücklaufprozesse künftig als zentrale Vergabekriterien einordnen, teilt Madlen Maier mit. Betreiber, die frühzeitig auf standardisierte Behälterpools und digital geführte Mehrweglogistik setzen, könnten so belastbare Strukturen für wachsende Portionszahlen und personelle Engpässe schaffen. Die Kombination aus GN-Standardmaß, digitaler Identifikation und einem effizienten Prozessdesign erhöhe die operative Planbarkeit in Küchen und Ausgabestellen deutlich, betont Maier.
Somit macht laut Rieber die EU-Verordnung Mehrwegprozesse zur neuen Grundanforderung der Gemeinschaftsverpflegung. Entscheidend ist nicht der Behälter allein, sondern ein dokumentierbarer und nachvollziehbarer Ablauf vom Befüllen bis zur Rückführung. Durch Verbindung aus GN-Kompatibilität, digitaler Rückverfolgbarkeit und einem durchgängig standardisierten Mehrwegprozess entsteht nach Einschätzung des Herstellers ein tragfähiger Ansatz für den neuen Alltag unter PPWR und für zukünftige Ausschreibungen.
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